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The Collection Book

Eva Ebersberger and Daniela Zyman

Das „Collection Book“, das die zeitgenössische Sammlung der Stiftung T-B A21 inventarisiert, bietet neben einem enzyklopädischen Rundgang entlang an Kunstwerken, Performances oder Seminaren diversen Künstler.

Nein, hinter den gezeigten Arbeiten offenbart sich auch die sammlerische Handschrift einer Kommissionärin, die seit über dreißig Jahren in den Boulevardblättern aufs Bunteste beschrieben wird – Francesca von Habsburg. Nun also rückt das kulturelle Engagement in den Mittelpunkt. Dabei liest sich schon allein die Teilnehmerliste des Advisory Boards ihrer Stiftung wie das Who’s who der internationalen Kunstszene: Olafur Eliasson, Samuel Keller, Simon de Pury, Norman Rosenthal oder auch Peter Weibel sind hier vertreten. Nicht weniger hochkarätig die Liste der Autoren, die im Buch zu Wort kommen und jeweils den Künstler vorstellen, dessen Projekt sie für die Stiftung begleitet haben: u.a. Chris Dercon, Diedrich Diederichsen, Carolyn Christov-Bakargiev, Slavoj Žižek, Ralph Rugoff und Dan Cameron.
Die meisten hier beschriebenen Werke und Projekte sind Auftragsarbeiten, entstanden in Zusammenarbeit zwischen Künstler und Sammlerin: Francesca von Habsburg empfängt ihre Schützlinge etwa als „resident artists“ auf ihrem jamaikanischen Wohnsitz, pusht, unterstützt, sorgt für museale und mediale Anerkennung und zeigt sich geübt im großen Wurf. Ein solcher gelang ihr etwa mit der Tournee der filmischen Interview-Installation Küba von Kutlug Ataman, ursprünglich produziert von der Londoner Kunstinitiative Artangel: Von Habsburg verschiffte das Werk, das sich mit ethnischen Gemeinsamkeiten und Migrationsproblemen beschäftigt und auf 40 Monitoren gezeigt wird, 2.000 Kilometer entlang der Donau und organisierte mit ihrer Stiftung Ausstellungskooperationen in Rumänien, Bulgarien und Serbien, bis hin ins heimatliche Wien. Im „Collection Book“ erklärt nicht nur Ataman selbst, was Küba für ihn bedeutet, auch einzelne Stimmen aus den Videos sind, grafisch abgesetzt, in den erläuternden Text des türkischen Kurators Emre Baykal hineingewoben.
Distanzierte Positionen wird man in dieser Publikation, die anlässlich der Ausstellung „Collection as Aleph“ (2008) im Kunsthaus Graz entstand, erwartungsgemäß nicht finden. Zelebriert wird das L’art pour l’art, oder doch auch ein bisschen das „Lard pour l’art“ („lard“ nennen die Franzosen ihren Speck): im Gespräch von Hans Ulrich Obrist mit Doug Aitken etwa, in dessen automatisierter, vielteiliger Spiegelskulptur Obrist „sich selbst als Betrachter in vielen Dimensionen und Parallelrealitäten“ sieht. Schwärmerisch erklärt er: „ Es geht um Möglichkeiten” – „Ja, um unbegrenzte Möglichkeiten”, präzisiert der Künstler. Francesca von Habsburg macht’s möglich. So erklärt sie im einleitenden Interview, ebenfalls mit Obrist, wie sie selbst und ihre Sammlungskuratorin vorgehen: „Daniela Zyman und ich arbeiten wirklich gut zusammen. Sie weiß, wie man einen Künstler antreibt und ihm gleichzeitig Sicherheit gibt.“ Das klingt nach stabiler Arbeitsgrundlage. Doch auch nach einem kreativen Prozess, der nicht mehr reine Künstlersache ist.
Das „Collection Book“ ist nach dem „Walk Book“ (2005) der Künstlerin Janet Cardiff schon das zweite Kunstbuch, das Francesca von Habsburg von Zitromat gestalten ließ. Das Berliner Grafikbüro – übrigens seit 2009 verantwortlich für den gestalterischen Auftritt des art forum berlin – hat für diesen Sammlungsband eine eigene Schrift erfunden. In Anlehnung an das Ausstellungskonzept „Collection as Aleph“ entwickelten die Zitromat-Gründer Philipp von Rohden und Thees Dohrn den Font „Aleph“, „inspiriert von der Formensprache von Schablonenschriften“, wie Dohrn erläutert. Tatsächlich ist die typografische Gestaltung das eigentlich Bemerkenswerte an diesem Buch. Form und Inhalt greifen unmittelbar ineinander, denn bei „Aleph“ sind die Buchstaben verkettet und fügen sich so zu einem „unentwirrbaren Gewebe“ als Sinnbild für das Geschlossene einer Sammlung. Die verschiedenen Informationsebenen im Buch, etwa der Text des Autors oder die Angaben zum Werk, sind grafisch voneinander abgehoben, was die Orientierung für den Leser enorm erleichtert.
Das vorangegangene, mit Faksimile und herausnehmbaren Polaroids gespickte „Walk Book“ initiierte aber nicht nur die publizistische Tätigkeit von TB A-21 – Janet Cardiff gilt als Auslöser für die Gründung der Stiftung überhaupt. Denn als von Habsburg ihre Kunstsammlung mit Cardiffs auditiven Walks beginnen wollte, lehnte diese ab. Sie wolle die Arbeit nicht an ein Individuum abtreten. Ob Frau von Habsburg denn eine Stiftung habe? So viel Chuzpe und Idealismus hatten die angehende Sammlerin nicht nur erstaunt, sondern so begeistert, dass sie zu einer Notlüge griff und darauf umgehend die Stiftung ins Leben rief. Der Rest ist Sammlungsgeschichte. Und im vorliegenden Buch anschaulich dokumentiert.