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Texte zur Kunst #50 - 50er Jahre



Unterlegt man ... die fünfziger Jahre aktuellen Phänomenen als heuristische Denkfolie, dann tauchen nicht nur überraschende Bezüge und verschleppte Rhetoriken auf. Vielmehr kommt auch in den Blick, was eine vor allem seit den Fünfzigern westlich orientierte Kunstgeschichtsschreibung lange Zeit verstellt hat.

Gerade die Kunst der fünfziger Jahre liefert eine Vorlage für ... Debatten um Humanismus und „Menschenbild“, da sie unter der Maßgabe stand, nach der damals sogenannten „Barbarei“ des Nationalsozialismus den Humanismus zu retten ... Eine entscheidende, übergreifendere Frage, die sich für die fünfziger Jahre bis heute stellt, ist die nach subjektiver Handlungsfähigkeit und künstlerischen Optionen in den jeweils spezifischen soziokulturellen und politischen Verhältnissen ... Daher bleiben die Fragen nach künstlerischen Handlungsmöglichkeiten und Subjektivierungsformen unter den Bedingungen von „repressiver Toleranz“ bestehen, die jenseits offener Totalitarismen und Diktaturen als internalisierte Machtstrukturen weiterlaufen. Für die fünfziger Jahre stellte sich dieses Problem verschärft durch die Verdrängung der nationalsozialistischen Vergangenheit und die Rhetoriken des Kalten Krieges ... Unterlegt man ... die fünfziger Jahre aktuellen Phänomenen als heuristische Denkfolie, dann tauchen nicht nur überraschende Bezüge und verschleppte Rhetoriken auf. Vielmehr kommt auch in den Blick, was eine vor allem seit den Fünfzigern westlich orientierte Kunstgeschichtsschreibung lange Zeit verstellt hat. (Quelle: Heft)