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Springerin Band XII Heft 4 / 2006

Verein "Springerin" (HG.)
Taktiken/Topografien
springerin spürt Taktiken nach, die in künstlerischen Ansätzen oder als politisches Prozedere wirksam werden, und untersucht deren kulturelle und politische Dimensionen.
Taktik, schrieb der französische Philosoph Michel de Certeau einmal, ist »ein Kalkül, das nicht mit etwas Eigenem rechnen kann und somit auch nicht mit einer Grenze, die das Andere als eine sichtbare Totalität abtrennt«. Taktiken, ob als künstlerischer Ansatz oder politisches Prozedere verstanden, müssen sich demnach dem Vorhandenen stellen, müssen mit gegebenen Zeit- und Raumbedingungen Vorlieb nehmen, ohne dass die Bereiche von Identität und Differenz dabei klar voneinander getrennt wären. Fragen von Bereichsgrenzen bzw. deren Überschreitung können folglich erst relevant werden, sobald ein taktisches Kalkül auf ein bestimmtes Raum-Zeit-Gefüge Anwendung findet.
Das Heft »Taktiken/Topografien« greift diesen Gedanken de Certeaus auf und versucht, ihn entlang politischer und kultureller Dimensionen weiterzudenken. In Bezug auf ersteren Aspekt überrascht es beispielsweise nicht wenig, dass taktische Vorgehensweisen, etwa gegen Terror und äußere Bedrohungen, heute mit umso letalerer Präzision operieren, je »humanitärer« sich ihr Anliegen geriert. Eyal Weizman belegt dies detailgenau mit einem Auszug aus seinem aktuellen Rechercheprojekt zur israelischen Sicherheits- und Territorialpolitik.
Demgegenüber haben künstlerische Landvermessungen, etwa wenn es um historisch vorbelastete Orte geht, stets einen Blick für das Besondere, Singuläre zu entwickeln versucht. Die Fotografien des 2003 verstorbenen Schriftstellers Heimrad Bäcker führen dies in Bezug auf das Konzentrationslager Mauthausen markant vor Augen, wobei gerade deren »nachgehende Form«, die Spuren- und Umrisssuche im Hinblick auf eine todbringende Moderne, frappieren.
 
Sprache: Deutsch