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Springerin Band XVIII Heft 1 / 2012

Verein "Springerin" (Hg.)
Bon Travail
Gegenwärtig hat eine eigentümliche Doppelbewegung den Begriff Arbeit erfasst: einerseits ein signifikanter Schwund und andererseits ein dereguliertes Ansteigen. »Bon Travail« fragt nach der Spezifik der neuen schönen und gleichzeitig auch nicht so schönen Arbeitswelten.

Gute Arbeit leisten. Wer könnte dieser allgemeinen Maxime nicht beipflichten, egal ob von künstlerischer oder kritisch-theoretischer Seite? Sich arbeitsmäßig auf etwas einzulassen impliziert fast unweigerlich, dies nach Maßgabe aller zur Verfügung stehenden Kompetenz zu tun. Nichtstun oder das, was zu tun ist, nicht gut genug auszuführen ist schlichtweg keine Option. Eine Art »No-No« im flexibilisierten und verstärkt auf kritischer Kreativität aufbauenden Kapitalismus.
Was aber, wenn die Arbeit – sei es vom Angebot oder ihrer Verwertbarkeit her – immer mehr verschwindet? Was, wenn sie tendenziell immer mehr wird, wie die zunehmende Vermischung von Arbeit und Freizeit nahelegt? Eine eigentümliche Doppelbewegung scheint das Konzept der Arbeit unter den gegenwärtigen welt- und krisenökonomischen Bedingungen erfasst zu haben: auf der einen Seite ein signifikanter Schwund, zumindest in der westlichen Welt, mit markanten Auswirkungen in sozialer wie kultureller Hinsicht; auf der anderen Seite ein unübersehbares Ansteigen, manifest in den vielen ausgelagerten, deregulierten und informellen Ökonomien rund um den Globus. Oder näher am eigenen Herd: das Eindringen von Arbeitsaspekten oder -prozessen in ehemals »arbeitsferne« Bereiche wie Privatleben, Rekreation oder soziale Beziehungen.
Das Heft »Bon Travail« fragt nach der Spezifik und Omnipräsenz dieser schönen neuen und gleichzeitig auch wieder nicht so schönen Arbeitwelten. Wie wirkt sich das Weniger-Werden von herkömmlicher Arbeit aus, wenn sich zugleich ein unermüdliches Tätigsein in immer mehr Lebensbereiche hineinzieht? Lassen die Arbeitsmodalitäten der Kunstwelt Rückschlüsse auf gesellschaftliche Entwicklungen zu? Welche Vorboten eines postprekären Lebens sind, falls überhaupt irgendwo vernehmbar, aus aktuellen Kunstpraktiken erschließbar?

Sprache: Deutsch