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Secession

Tobias Pils

Tobias Pils zeigt einen neuen, eigens für die Secession geschaffenen Werkzyklus aus großformatigen Malereien und einer ortsbezogenen Installation.

Bereits im Vorfeld der Ausstellung und vor dem eigentlichen Malprozess setzte sich Pils intensiv mit der Konzeption der Ausstellung auseinander. Das Ergebnis ist eine Malerei-Ausstellung, bei der Produktion und Präsentation ganzheitlich gedacht sind und zu einer Einheit verschmelzen. Pils, der primär in den Medien Malerei und Zeichnung arbeitet, hat immer wieder auch Projekte im oder für den öffentlichen Raum realisiert beziehungsweise konzipiert – oft in Kooperation mit befreundeten KünstlerInnen, MusikerInnen und SchriftstellerInnen.
Pils' Arbeitsweise ist dadurch gekennzeichnet, dass er am Beginn einer neuen Arbeit alle früheren zu vergessen sucht  und sich mit einem Motiv auseinandersetzt. Dieses Motiv kann „alles Mögliche sein, eine bekannte Allegorie, aber auch ein abstrakter Rhythmus oder Akkord“ . In Analogie dazu und übertragen auf die größere Einheit der Ausstellung hat Pils für seine Ausstellung in der Galerie die Secession selbst als Leitmotiv und Inspirationsquelle gewählt. Verschlungene Elemente und charakteristische Formen wie das Motiv der Lorbeerkuppel – das Markenzeichen der Secession – flossen wie selbstverständlich in seine Bildsprache ein. Der schlichte Ausstellungstitel Secession weist den Ausstellungsort als Referenz aus, lässt in seiner Unaufgeregtheit jedoch genug Raum für Distanz, Ironie und – künstlerische Freiheit. Denn Pils greift in einigen visuellen oder konzeptionellen Zitaten historische Bezüge rund um die Secession und insgesamt den Zeitgeist des anbrechenden 20. Jahrhunderts auf, ohne seine kontinuierliche Arbeit an malerischen Fragestellungen dadurch zu kompromittieren. Intuition, Inspiration und Individualität sind Kriterien, die für das malerische Oeuvre von Pils relevant sind und die sein Verständnis von Malerei als Sprache und Ausdrucksmittel tragen.
Pils arbeitet mit dem Großformat, welches mit seinen speziellen Anforderungen an die Physis des Künstlers neben dessen charakteristischer Bildsprache auch die Körperlichkeit des Malens zu einem bildkonstituierenden Faktor werden lässt. Pils' in den letzten Jahren erarbeitete Bildsprache verbindet expressive Elemente mit geometrischen Strukturen wie Rastern und kappt trotz der dominierenden Tendenz zur Abstraktion nie ganz die Verbindung zur Repräsentation – sei dies mittels Versatzstücken aus der „Realität“ oder durch Referenzen zum Beispiel auf den Topos der Landschaft.

„Jedes Element eines Kunstwerks muss in mindestens zwei Richtungen verweisen: erstens auf seine Bedeutung, die sich in seiner Ähnlichkeit mit der Natur oder als Konzeptualisierung einer Theorie manifestiert, und zweitens auf die seelische oder emotionale Befindlichkeit des Künstlers, die sich darin ausdrückt.“

Die Ausstellung von Pils in der Secession scheint die räumlichen Grenzen der Galerie zu sprengen und aus diesen herauszuquellen. Die BesucherInnen begegnen bereits kurz nach Betreten des Hauses einer künstlerischen Setzung im Treppenhaus, welches mit handgefertigten und vom Künstler wellenförmig blau bemalten Fliesen ausgekleidet und in einen „Tunnel“ transformiert wird. Dieser weckt Erinnerungen an New Yorker U-Bahn-Stationen oder auch an die nahegelegenen Stadtbahnstationen von Otto Wagner, die wiederum als Vorbild für Joseph Maria Olbrich, den Architekten der Secession dienten. Die blau bemalten Fliesen mit ihrem Wellenmotiv evozieren die naiv-kindliche Darstellung von Wasser, könnten aber ebenso Schriftzeichen einer fremden, unbekannten Sprache sein. Pils' lustvolle und zugleich ironische Blickregie findet seine Fortsetzung am Ende des „Tunnels“, wo ein kreisrundes Gemälde den Blick und damit die BesucherInnen in die eigentlichen Ausstellungsräume lenkt. Auf die Ouvertüre im Stiegenhaus folgt der erste Akt mit einem Crescendo: Die gesamte Wandfläche des in Form eines griechischen Kreuzes angelegten Raumes ist mit Bildern ausgekleidet. Die Leinwände sind an die Wandflächen und Nischen angepasst, können diese aber nicht komplett ausfüllen, sie sind wie „ein zu knapp sitzender Maßanzug“ (Pils). Aufwendige Wandverkleidungen von Jugendstilinterieurs wie beispielsweise im Palais Stoclet von Josef Hoffmann oder Adolf Loos' Wandverkleidungen aus kostbarem Stein – eine Form organischer Abstraktion – waren hier die Vorbilder. Im letzten Raum der Galerie schließlich löst sich die Spannung, einzelne „Motive“ treten aus dem visuellen Furor heraus und die Bilder bekommen ihre Autonomie und Individualität zurück.

Sprache: Deutsch