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Eva Chytilek. double u



Katalog anlässlich der Ausstellung im MUSA, 29.6. bis 30.8.2012

(Deutsch/Englisch)

Es ist ein schmaler Grad zwischen zweckbefreit und wertfrei, und Eva Chytileks Arbeiten beschreiten ihn scheinbar mühelos. Sie gehen von Alltagsgegenständen aus – und gehen von dort aus weiter. Sie nehmen sich Möbel und Einrichtungsgegenstände – Stühle, Schrankwände, Tische, Kommoden – und nehmen sie auseinander; sie demontieren sie in Performances, arrangieren sie anschließend in Einzelteilen im Raum und entlang der Wand oder setzen sie gleich wieder neu, anders, scheinbar zwecklos und unbenutzbar zusammen. Irgendwie verloren stehen diese Skulpturen dann herum, komisch amputierte Möbel, seltsam stumme, in sich gekehrte Volumen mit opaken Oberflächen – versehrte Körper von Gewicht und Materialität. Die Spuren ihrer einstigen Bestimmung tragen Chytileks Skulpturen mit einer gewissen Ratlosigkeit und die Male ihrer nicht immer zarten Behandlung mit Würde. Sie verhalten sich zu ihrer Vergangenheit als Gebrauchsgegenstand ähnlich wie zu ihrem jetzigen Dasein als Kunstwerk: immer ein wenig zweifelnd und leicht irritiert, mit einem Rest Unbehagen und vielleicht einem kleinen bisschen Melancholie. Stühle, die selbst zwischen den Stühlen sitzen, werden zu Kunst, die sich selbst der beste Widerstand ist. 

Vielen dieser so entstehenden Arbeiten ist ein Bezug auf das menschliche Maß eigen und oft verhalten sich ihre Skulpturen wie buchstäbliche Gegenüber. Sie bevölkern als andere Körper einen Raum, den sie sich mit den Menschen teilen. Die Frage nach der Skulptur ist hier – jenseits eines mitschwingenden Diskurses um die Grenzen zwischen angewandtem Design und autonomer Kunst – auch ganz klassisch eine Frage nach der Körperlichkeit der Dinge. Chytileks jüngste Arbeiten beginnen jedoch, sich von dieser Körperlichkeit auf eine ganz buchstäbliche Art zu lösen und sie dabei in einer weiteren Wendung noch einmal anders in den Fokus zu rücken: architektonische Elemente werden hier als flache Zeichnungen direkt an die Wand übertragen, kantige Skulpturen in Bezug zu historischen Fotografien ähnlich kantiger Kunsthandwerksgegenstände gesetzt; Räume werden also ins Bild gefaltet und Bilder umkehrt wieder hinausgestülpt in den Raum. Die Dinge beginnen sich zu doppeln. 

Dominikus Müller

(Quelle: MUSA)