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Reorganizing structure by drawing through it


Zeichnung bei Gordon Matta-Clark
In dieser Ausstellung stellt die Generali Foundation erstmals umfassend das innovative zeichnerische Werk des amerikanischen Künstlers Gordon Matta-Clark (1943-1978 New York) vor. Es werden etwa 600 Werke präsentiert. "Zeichnung" als Kategorie wird dabei entsprechend den Intentionen des Künstlers gefasst und schließt neben autonomen Zeichnungen, den sogenannten Schnitt-Zeichnungen, auch Projektentwürfe sowie Arbeiten, die sich mit Graffiti beschäftigen, ein.

Gordon Matta-Clark, Sohn des surrealistischen Malers Roberto Matta, hat an der Cornell Universität in Ithaca, New York, Architektur studiert. Der Künstler übte diese Profession jedoch nie im eigentlichen Sinne aus; vielmehr ist er durch seine "Cuttings", Transformationen an Gebäuden mittels Schnitten bzw. Entfernen von Gebäudeteilen, bekannt geworden. Der Arbeitsprozess selbst, die Begehung der "geöffneten" Gebäude durch das Publikum und die damit verbundenen Gefahrenmomente waren dabei integrativer Bestandteil dieser Werkgruppe. Dass er auch eine große Zahl außergewöhnlicher und vielfältiger Zeichnungen geschaffen hatte, wurde erst nach dem Tod Matta-Clarks bekannt. In den Retrospektiven von 1986 (Museum of Contemporary Art/Chicago, weitere Stationen in USA und Europa) und 1992 (IVAM/Valencia, weitere Stationen in Europa) sind diese bisher nur im Überblick vorgestellt worden.

In seinen ersten Zeichnungen hat sich Matta-Clark ausgehend von seinen ökologischen Anliegen und dem Einfluss der Land Art Bewegung obsessiv mit Bäumen und deren Energie auseinandergesetzt. Diese Phase ist eng verknüpft mit den alchimistischen Projekten aus organischem Material, die er in der ersten Zeit in New York (1969-71) verwirklicht hat. Aus den Bäumen entwickelte Matta-Clark Piktographien, löste diese auf in abstrakte Strukturen, die an urbane Situationen erinnern; in Kalligraphien sowie Zeichnungen, die sich mit Energie und Bewegung beschäftigen. Die von den Surrealisten eingeführte Methode des automatischen Zeichnens oder Schreibens findet sich in den Zeichnungen Matta-Clarks in einer der Choreographie verwandten Form wieder. Matta-Clark galt als exzeptioneller Tänzer und hat u.a. mit Robert Wilson gearbeitet.

Mit den sogenannten "Cut Drawings", beginnend 1972, hat Matta-Clark den Schnitt als zeichnerisch-skulpturale Technik eingeführt. "Eine Art zu zeichnen, so wie man Skulpturen macht". (Matta-Clark) Die ersten "cut drawings" sind relativ grob und wurden direkt, d.h. ohne Vorzeichnung mit dem Bleistift, angefertigt. Später wurden die Schnitt-Zeichnungen immer komplexer, zu sich überschneidende Kreisformen mit ausgesparten Flächen zwischen den Linien. Einige dieser Arbeiten beziehen sich auf konkrete Projekte mit Gebäuden.

Matta-Clark erkannte, dass die Zeichnung auch ein sozialer Kommunikationsfaktor in der Stadt ist. Matta-Clark hat sich relativ früh mit Graffiti auseinandergesetzt und hat diese in seine Arbeit einbezogen. Als ausgebildeter Architekt hat Matta-Clark seine großen Projekte zeichnerisch geplant. Meist hat er eine Vielzahl von Entwürfen angefertigt, bevor er sich für eine Umsetzung entschied. "Ein einfacher Schnitt oder eine Serie von Schnitten fungieren als kraftvolle Zeichnung und re-definieren räumliche Situationen und strukturelle Einheiten", konstatierte der Künstler anlässlich eines seiner großen Projekte "Office Baroque" (1977) in Antwerpen. Einige der interessantesten Zeichnungen sind die sogenannten "Wolkenbügel", Entwürfe für "Ballongebäude", die im letzten Jahr vor dem frühen Tod Matta-Clarks entstanden. Matta-Clark wollte eine nicht hermetische Architektur schaffen, in deren Zentrum der menschliche Körper steht.

Die Generali Foundation setzte sich wiederholt mit dem Werk von Gordon Matta-Clark auseinander. 1996 wurden in Zusammenarbeit mit dem Trust die Filme restauriert und für die Sammlung der Generali Foundation erworben. Darüber hinaus befinden sich weitere Schlüsselwerke in der Sammlung, die zum Teil auf der Documenta X zu sehen waren.