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Kultur und Gespenster 7


Autofiktion
Kultur & Gespenster ist eine deutsche Kulturzeitschrift, welche vierteljährlich erscheint. Sie entstand aus der von Gustav Mechlenburg betriebenen Website textem.de. Das Magazin in Buchformat widmet sich Hochkultur und Trash mit derselben Sorgfalt. Geistreich und trotzdem vergnüglich.

»Das Magazin in Buchform bietet nicht nur anspruchsvolle bis abgedrehte Lektüre für Kopfmenschen, sondern ist auch für visuelle Zeitgenossen ein Genuss. Das ist der Gestaltung durch Christoph Steinegger zu verdanken (ehemals Büro X), dem das Kunststück gelingt, mit klassischer Typografie einen enorm zeitgemäßen Look zu erzeugen.« (PAGE)

mit Fotografien von Herbert Perl

»… und schon gemeinsame Brechreize schaffen eine Art ausreichender Sympathie.« (Arno Schmidt, Aus demLeben eines Fauns)

»Wenn wir erstmal in einerWelt ohne Zombies leben, wird es sie nie gegeben haben.« (DietmarDath, Für immer inHonig)


"Aus dem Vergnügen an tragischen Gegenständen1 ist im Prozess der Moderne, der die Kategorien des Schicksals, der Götter, der ewigenOrdnung und einer sich imNachvollzug von Kunst offenbarendenWahrheit
sukzessive zugunsten von eher pragmatischen Strategien der Selbsterforschung und Selbstmodellierung verabschiedet hat, ein nicht unumstrittenes Vergnügen an jenen drastischen Gegenständen geworden, die erst klandestin verbreitet wurden, dann im Inneren der alten Genres zu wuchern begannen (man denke an die expliziten Beschreibungen gärender Leichen beiHansHenny Jahnn oder den Schnitt durchs Auge in Un chien andalou) und schließlich neue – populärkulturelle – Genres konstituierten. Diese Genres produzieren gemeinsame Referenzen für Teilöffentlichkeiten mit eigenen Normen und Wertgefühlen.

Als Drastik sollen hier die überdeutlichen Repräsentationen von Gewalt, Tod und Sexualität (Horror, Exploitation, Splatter, Porno etc.) ebenso verstanden werden wie der Einsatz von den Körper und die Psyche extrembeanspruchenden Darstellungsmitteln (schmerzende Lautstärke,maximal beschleunigter Rhythmus, üble Gerüche, direkte harte Berührung des Zuschauerleibes etc.). Wenn die unedel gewordenen KünsteDrastik ins Spiel bringen, geht es immer umdieMinimierung von Distanz, sei diese emotional, intellektuell oder räumlich verstanden. Drastische Objekte sind idealerweise so verfasst, dass sie den Rezipienten entweder überfordern oder ihm – will er sie aushalten – Distanzierungs- und Kontrollleistungen abverlangen, die ihrerseits drastisch sind.

Wenngleich Drastik ein transmediales Phänomen ist, das sich in Texten und  Bild-Texten so zuverlässig finden lässt wie in Filmen, Konzerten, Performances oder den digitalen Medien, so haben doch die analogen filmischen Medien eine besondereAffinität zurDrastik,wasmit demerhöhten immersiven Potenzial dieser Medien zu tun haben dürfte. Das Bild ist unabweisbar. Wir müssen ihm nicht glauben, aber wir müssen ihm antworten. Der Körper reagiert unwillkürlich auf die Evidenz eines in ihn eindringenden Abbildes, das Signifikant des Wirklichen zu sein scheint,weil ihmimmer ein realesObjekt vorgängig ist, das von der Kamera abgelichtet wurde." (Auszug aus dem Aufsatz "Die Wiederkehr der Katharsis. Über ein paar Möglichkeiten, das opkulturelle
Vergnügen an drastischen Gegenständen zu erklären" von Dirck Link)