Genealogies of Pain

Marilyn Manson

Katalog mit Begleittexten der Ausstellung von Mansons relativ unbekannten Gemälden.

Marilyn Manson ist für vieles bekannt: in erster Linie für seine Musik, aber auch als Skandalfigur und Dorn im Auge der Moralhüter Amerikas. Weniger bekannt jedoch ist er für seine Malerei, mit der er sich schon seit vielen Jahren, zum Teil ausschließlich und dabei über lange Phasen ohne zu musizieren, beschäftigt.
Mansons Aquarelle sind formal sehr gefühlsbetont und sanft, und stehen damit im krassen Gegensatz zu den Themen und Motiven, die sie darstellen: Schmerz, Verlust, Verzweiflung, durch Schmerz verstärkte Selbstentfremdung, aber auch durch Agonie ermöglichte Selbstfindung. Sein Interesse konzentriert sich auf die Analyse von Körperextremitäten gleichermaßen wie -kavitäten, also genau jener besonders sensiblen Teile des Körpers wie Mund, Fingerspitzen, Augen oder Genitalien, deren Verletzung Urängste in uns weckt.

Als Gegenstück und historischer Bezugspunkt zu Mansons Gemälden ist der Regisseur David Lynch mit Kurzfilmen in der Ausstellung vertreten. Wie die Werktitel seiner Arbeiten andeuten – „Six Men Getting Sick“ (1967), „The Grandmother“ (1970) und „The Amputee“ (1973), geht es auch Lynch um die Reflexion über und die Ästhetisierung von Schmerz, sowie die Deformation und Vergänglichkeit des menschlichen Körpers. „Draußen regnete es Katzen und bellende Hunde. Wie ein Spross kollektiver Humanität, der gerade aus dem Ei gebrochen war, kam Marilyn Manson hineingeschlendert“ verkündet David Lynch in der Einleitung zu Mansons Biographie von 2000, und gibt so treffend die Stimmung wieder, die wir in dieser Ausstellung erwarten können.