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Frédéric Moser & Philippe Schwinger



Die Publikation dokumentiert die Projekte «Affection riposte», «Internment Area» und das Performance- und Filmprojekt «Capitulation Project» von 2003, das auf dem Stück «Commune» der New Yorker «Performance Group» basiert, die 1971 auf das Massaker von My Lai Bezug genommen hatten. (D / Engl. / Frz.)

Moser/Schwinger schreiben zu «Capitulation Project»: «Ausgehend von einigen Fotographien der Performance und von den Notizen Richard Schechners, des Theoretikers des «environmental theaters», haben wir einen neuen Verlauf der My Lai-Sequenz entworfen. Als Grundlage dienten uns die Aussagen von Soldaten, die das Massaker verübten, die Berichte der Untersuchungskommission sowie zeitgenössische Presseartikel. So entstand ein Szenario, das es uns erlaubte, die gesammelten historischen Dokumente in eine bühnengerechte Formulierung zu bringen. Wir wollten ein Kriegsereignis thematisieren, ohne die spektakulären Mittel der Filmindustrie zu benutzen. Welche Möglichkeiten haben wir als einzelne Bürger, einen Akt des Terrors zu verarbeiten? Wir sind den Spuren der «Performance Group» gefolgt. Ihr Versuch, im Rahmen einer Theateraufführung Raum für Selbstkritik zu schaffen, hat unsere dramatischen Intentionen geleitet. So haben wir das Dekor von «Commune» rekonstruiert: eine Welle, die zugleich Landschaft evoziert und als Agora dient, sowie ein Gerüst um die Bühne herum, auf dem sich das Publikum platzieren kann.»

Axel Lapp schreibt in seinem Beitrag zum Buch: «Auf der bildhaften Ebene ist «Capitulation Project» eine Auseinandersetzung um die sich ständig neu stellenden Fragen von Schuld und Gewalt. Anhand des Massakers von My Lai geht es darum, die Prozesse zu begreifen, die Menschen zu Mördern und zu Schuldigen machen, und zu realisieren, was dies für die Überlebenden bedeutet. Da keine objektive Geschichte diese Gräuel umfassend begreift und erklärt, versuchen die Schauspieler im Stück, sich die vielschichtigen Realitäten im Spiel zu erarbeiten. Doch sind die Zeugenaussagen, mit denen sie auf der Bühne ein Bild der Taten evozieren, nur die der überlebenden Täter Ð deren Opfer sind auf immer verstummt; die dargestellte Gewalt auf der Bühne bleibt stets nur eine Reflexion ihrer eigenen Vorstellungen und ihre gespielte Annäherung an die Realität Fiktion. Das Massaker entzieht sich jedweder Nachvollziehbarkeit. Insgesamt ist das Stück eine Kapitulation der Wahrheitsfindung! Dennoch sind die Charaktere des Films voller Hoffnung, durch ihre aufklärerische Arbeit solches Grauen in Zukunft zu verhindern. Sie sehen weder, wie wenig die Wirklichkeiten des Krieges und der zivilen Gesellschaft miteinander gemein haben, noch, wie wenig sich die Personen darin unterscheiden.»