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Durch seine Wunden sind wir geheilt

Rosemarie Brucher
Selbstverletzung als stellvertretende Handlung in der Aktionskunst von Günter Brus
Mir ging es immer um den Knochenbau Seele, daran sich das Fleisch wie ein lascher Fetzen hängt.
Günter Brus

Die Möglichkeit individuelle sowie kollektive Aggressionen, Schuldgefühle oder Obsessionen über das Medium Kunst abzureagieren, scheint in einer Zeit globaler Unruhen gleichsam verlockend wie virulent. Der sich selbst verletzende Künstler nähme demnach als stellvertretende Instanz Leid, Schmerz, Ekel und Erniedrigung gleich einem Opfer auf sich, um so auf sich sowie sein Umfeld kathartisch zu wirken.

Anhand des Aktionskünstlers Günter Brus wird der Frage nachgegangen, ob via künstlerischer Selbstverletzung nicht nur ein friedliches Zusammenleben gefördert, sondern auch durch Konfrontation und zugleich Abreaktion meist unbewusster Triebe kollektiven Neurosen entgegengewirkt werden kann. Mittels der zugleich stets gesellschaftskritischen Funktion des Selbstopfers wird darüber hinaus aufgezeigt, wie über den Künstlerkörper gesellschaftliche Missstände und unbewusst etablierte Machtverhältnisse bewusst gemacht und im Idealfall beeinflusst werden können. Künstlerische Selbstverletzung avanciert auf diese Weise zu einer gesellschaftlichen Opferhandlung, die sowohl aus theologischer als auch aus gesellschaftspolitischer, psychoanalytischer sowie kunstimmanenter Perspektive betrachtet werden kann.
Das Buch birgt somit nicht nur eine neue Sichtweise auf das Oeuvre des Aktionisten Günter Brus, sondern eröffnet darüber hinaus innovative Perspektiven auf das generelle Phänomen künstlerischer Selbstverletzung.