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dérive # 28

Christoph Laimer (Hg.)
Zeitschrift für Stadtforschung
Entsprechend der Jahreszeit haben die meisten Artikel dieser Ausgabe eine Länge, die nicht für eine Straßenbahnfahrt sondern für den Aufenthalt im Liegestuhl optimiert sind. Denn Beginn macht Christian Teckert mit einem Beitrag über Standortproduktionsindustrien – den so genannten Keiretsus in Japan.

 

Als zentrales Beispiel dient ihm dafür Tokyu, ein Konzern der seit mehreren Jahrzehnten konsequent das Ziel verfolgt, zwar nicht die Weltherrschaft an sich zu reißen, aber immerhin einen Stadtteil Tokyos mitsamt seinen BewohnerInnen. Und das ist ihm bereits überzeugend gelungen.

Henrik Lebuhn analysiert mit seinem Artikel Neoliberale Technokratie und Stadtpolitik die Herrschaftsfunktion von New Public Management am Beispiel Berlins. Mit New Public Management -Reformen wird – neben der üblichen Ökonomisierung von Stadtpolitik durch wettbewerbs- und standortpolitische Maßnahmen bei der Investition öffentlicher Mittel – auf eine Ökonomisierung der öffentlichen Institutionen selbst abgezielt. Besonders unter Druck geraten in Berlin dadurch ökonomisch bisher noch nicht verwertete öffentliche Räume.

Robert Temel umreißt mit seinem Beitrag Planung in der Stadtlandschaft eine Thematik, die viele wichtige Fragen aufwirft und bisher trotzdem wenig Beachtung fand. Der überraschende Verkaufserfolg und die breite Berichterstattung über Reinhard Seiß´ BuchWer baut Wien eröffnet vielleicht die Chance, mehr Aufmerksamkeit für eine intensive Auseinandersetzung zu erreichen. Die Österreichische Gesellschaft für Architektur (www.oegfa.at) setzt ab Oktober mit einer Schwerpunktreihe unter dem Titel Links von Wien, die sich der Materie annimmt, fort.

Loïc Wacquant hat uns für dérive seinen Text Decivilizing and demonizing: the remaking of the black ghetto zur Verfügung gestellt, dessen erster Teil in dieser Ausgabe in deutscher Übersetzung erscheint. Thema sind die materielle Realität und der öffentliche Diskurs der Post-1960er Transformation von Amerikas schwarzem Ghetto als das Ergebnis zweier zusammenhängender Prozesse. Der erste dieser Prozesse ist die Entzivilisierung im Sinne Norbert Elias’, eine Folge des Rückzugs des Staates aus den Ghettos der Schwarzen und der darauf folgenden Erosion des öffentlichen Raumes und der sozialen Beziehungen in den urbanen Zentren.

Stadt-Beschreibungen – Texte im urbanen Raum – stehen diesmal im Zentrum von Daniel Kalts Serie über Kunst im öffentlichen Raum und die zweite dérive-Serie, Manfred RussosGeschichte der Urbanität setzt mit dem zweiten Teil zur Utopie fort. Ein Auszug aus Thomas Ballhausens demnächst erscheinendem Roman Die Unversöhnten bereichert das Spektrum dieser Ausgabe um einen literarischen Text.

In der Hektik der Produktion der letzten Ausgabe von dérive ist ein Fehler passiert, der dazu führte, dass Michael Blums Kunstinsert Istiklal Allee (bis 2066) mit zu geringer Auflösung gedruckt wurde. Das Insert liegt dieser Ausgabe noch einmal – und zwar als Plakat in einwandfreier Qualität – bei. Einen schönen Sommer wünscht