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CURATING SUBJECTS

Sören Andreasen

Dabei hat das Berufsbild des freien Kurators und mit ihm Kuratorenkurse und Großausstellungen in jüngster Zeit doch gerade in einer fast schon neokolonialen Welle den Siegeszug um die Welt angetreten.

Lars Bang Larsen, Julie Ault, Carlos Basualdo, Dave Beech & Mark Hutchinson, Irene Calderoni, Anshuman Das Gupta & Grant Watson, Clèmentine Deliss, Eva Diaz, Claire Doherty, Okwui Enwezor, Liam Gillick, Jens Hoffmann, Robert Nicka

In einer Hinsicht hebt sich der von Paul O’Neillherausgegebene Sammelband Curating Subjects wohltuend von anderen Publikationen dieses Schlages – die erfreulicherweise auch nahezu vollständig im einführenden Interview zwischen O’Neill und Annie Fletcher aufgelistet sind – ab: O’Neill hat seine AutorInnen gebeten, einmal nicht über eigene Projekte zu schreiben, sondern die anderer KuratorInnen kritisch zu kommentieren. Die Auswahl der Beitragenden hingegen ist recht vorhersehbar, wenn sie auch laut Herausgeber in einer Art Kettensystem aufeinanderfolgender Einladungen vonstatten ging. Leider – und darin liegt ein weiteres Manko dieser Publikation – beschränkt sich die Perspektive fast ausschließlich auf Westeuropa und die Vereinigten Staaten.

 

Dabei hat das Berufsbild des freien Kurators und mit ihm Kuratorenkurse und Großausstellungen in jüngster Zeit doch gerade in einer fast schon neokolonialen Welle den Siegeszug um die Welt angetreten. Das dürfte eigentlich reichlich Diskussionsstoff und auch –bedarf bieten. Zudem war in jüngster Zeit besonders für Asien zu beobachten, wie prominente Einzelfiguren zum Sprachrohr und (Zerr)spiegel einer ganzen Region werden können. In Curating Subjectsbenennt allein Okwui Enwezor im wohltuend unprätentiösen Interview mit ausgerechnet dem Herausgeber explizit das Problem des Eurozentrismus, wenn er die späten 1980er Jahre als Wasserscheide sieht, während derer im Zuge von Globalisierung und Postkolonialismus KünstlerInnen aus Asien, Afrika, Süd- und Lateinamerika ins Blickfeld westlicher KuratorInnen gerieten.

Bemerkenswerterweise sind von den insgesamt 25 am Buch beteiligten AutorInnen wenige ausschließlich als KuratorInnen, sondern zugleich auch als KünstlerInnen, KritikerInnen und/oder DozentInnen aktiv. Die Doppel-, wenn nicht gar Mehrfachfunktion vieler im Kunstbetrieb Tätiger, für die es zahlreiche, nicht nur finanzielle Gründe gibt, ist zweifelsohne symptomatisch für eine Gegenwart, in der die Grenzen zwischen Tätigkeitsfeldern und Institutionen immer mehr zerfließen – ein Thema, das Curating Subjects