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Gottfried Helnwein

Robert Jelinek (Hrsg.)
Die Macht der Bilder
Fragt man nach einem verlässlichen Seismografen und obsessiven Forensiker unserer tiefsten menschlichen Abgründe, so führt an Gottfried Helnwein kein Weg vorbei. Wie kein Zweiter führt er uns in seinen Bildern seit mittlerweile fünf Jahrzehnten medienwirksam die Auswüchse menschlicher Gewalt vor Augen und konfrontiert uns mit unseren Trieben und Ängsten.

Von Beginn seiner Karriere an war Helnwein kontroversiell und provozierte verschiedenste Reaktionen auf seine Werke, die immer an die eigene Realität des jeweiligen Betrachters anschließbar waren und bis heute wahlweise Anziehung oder Ablehnung erzeugen. Er versucht den ein- und ausschließenden Rahmen seiner Bilder lesbar zu machen, um so jene Momente zu kreieren, in denen die Repräsentation von Gewalt in eine Gewalt der Repräsentation umschlägt. Die Einbettung in die Massenmedien als Vierte Gewalt unterstreicht nur seine Praxis. Dabei geht es ihm immer auch um grundsätzliche Fragen: nach der Kunst und ihrer Entstehung, ihrer Lesbarkeit, ihrer Wirkung, ihren Wurzeln und ihren Grenzen. Er sieht sich zwar weder als Schmerzensmann noch als Maler, dennoch benutzt er ohne viel Hang zur Idyllik das klassische Tafelbild und erzeugt ein oppositionell romantisches Lebensgefühl. Durch die immerzu wiederholte Darstellung von Gewalt werden die Opfer nicht verinnerlicht oder mystifiziert, sie fordern vielmehr Kommunikation. Helnwein, dessen ganze Empathie den Kindern gilt, schöpft wie ein scharfer Analytiker aus den Tiefen des Unbewussten. Er verfügt über das visuelle Instrumentarium, eben das zum Ausdruck zu bringen, was einer jeden menschlichen Existenz innewohnt.

Sprache: Deutsch