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Auf der Suche nach einer Theorie der Architektur Band 19

Miroslav Šik
Graue Natur und Poesie
Ein Vortrag an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, Juni 2004

Prolog:

Ich habe meinen Beitrag in zwei Teile gegliedert: Zunächst wird es darum gehen, meine Suche mit Hilfe bestimmter Themen abstrakt zu erläutern; anschließend werde ich versuchen zu beweisen, dass es mir in der Praxis gelingt, diese Themen konkret und mit einer ganz spezifischen Poesie zu verwirklichen.

 

I. Graue Natur:

Eine Thematik, die mich seit Jahren quält, ist das Verhältnis der Architektur zur Natur, wobei ich die gemachte Natur und nicht die spontane Natur im Sinne habe. Zweifelsohne ist die gemachte Natur, oder die Natur als ein Motor der Gestaltung, etwas, was uns seit dem 17. Jahrhundert bekannt ist. Es mag auch älteren Ursprungs sein. Es gibt eine Bemühung, die Architektur nach bestimmten mimetischen Gesetzen der Natur zu begründen und sie zu gestalten. Dabei dominiert die Vorstellung, dass Städte, Straßen, Räume, Lichtführung, gar die Konstruktion sinnvollerweise die Formgebung der Natur nachahmen sollten. So lässt sich an den Arbeiten Santiago Calatravas zeigen, dass Architektur hinsichtlich des Körperbaus und der Unterteilung von Knochen und Haut nicht nur eine literarische, sondern eine formelle Analogie bilden soll.