Ein weißes Feld

Lucas Cejpek
Selbstversuch
»Ein weißes Feld« besteht aus vielen, meist kürzeren Passagen, denen jeweils ein Hauptwort vorangestellt ist: »Serviette«, »Milch«, »Auflauf« usw.

Lucas Cejpeks neues Buch folgt somit einem lexikalischen Prinzip, doch die Begriffe sind nicht alphabetisch geordnet, sie sind auch nicht chronologisch entstanden, sondern folgen einer sich im Schreibprozess entwickelnden und sich selbst fortspinnenden Dramaturgie – so durchziehen den Gesamttext zahlreiche Fäden, die unterschiedliche Dinge miteinander quer durch die Zeit verbinden.

Zwei Worten, »weiß« und »ich«, kommt eine besondere Bedeutung zu, sie mäandern wie ein Fluß durch alle Einzelfelder. Weiß ist für Cejpek eine neutrale Farbe, die das ungewisse Ergebnis einer Selbsterkundung symbolisiert – das Ich als unbeschriebenes und unbeschreibbares Blatt: »Indem man aus sich heraustritt, wird einem die eigene Identität fragwürdig. Das mystische Erlebnis ist ein paradoxer Zustand: Man wird gerade dann identisch mit sich, wenn diese Identität immer weniger greifbar wird.«

Lucas Cejpek gibt sich keinen Illusionen hin, er weiß, »Ich« kann jeder sagen. Im »Weißen Feld« jedenfalls gibt es viele für ihn wichtige und von ihm zitierte Künstler, Schriftsteller, Weggefährten, die über sich und ihre Arbeit sprechen. Das eigene Autoren-Ich beginnt sich so aufzulösen: »Während des Schreibens an meinem ›Weißen Feld‹ habe ich bemerkt, wie stark sich die Toten zu Wort melden; wie stark die zeitliche Dimension in diesem Tagebuch ist, das ich als Regieanweisung für Ich-Performances begonnen habe.«

Sprache:Deutsch