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Fluxus-Ein Nachruf zu Lebzeiten

Kunstforum International
Kunstforum International #115
Fluxus - in den 80er Jahren fast vergessen - rückte mit Anbruch der 90er wieder ins Zentrum des Interesses. Warum? Zweifellos sind die Gründe auf zwei Seiten zu suchen:

Erstens in einer gewissen Orientierungslosigkeit im aktuellen Kunstbetrieb, wo sich noch keine klare neue Richtung wie z.B. die neue Malerei der 80er ablesen ließ - da bot sich ein Rückgriff auf ein vielleicht zu wenig beachtetes Stück Vergangenheit an. Zweitens lagen die Gründe natürlich in der Geschichte und Bedeutung von Fluxus: Mit gewissem Recht kann Fluxus als die erste wirklich internationale Bewegung der Moderne bezeichnet werden, die gleichzeitig in Europa und USA entstanden ist. Und Fluxus kann auch als die erste tatsächlich intermediale Kunstform gelten, in der nicht nur Elemente aus Musik, Theater, Film, Kunst, Literatur und Elektronischen Medien nebeneinander stehen, sondern zu einer neuen, übergreifenden Kunstform geführt werden. Zwei Punkte stehen immer wieder im Zentrum der Diskussion: der Anfang und das Ende von Fluxus. Vorläufiges Resümee der von Dieter Daniels herausgegebenen Dokumentation: Fluxus ist lebendige Geschichte, ist eine Geschichte, die sich vor unseren Augen gerade selbst schreibt, an der wir mitwirken, verdienen oder zweifeln können. Die Frage, ob Fluxus noch lebt, ist also lediglich eine andere Version der ebenso umstrittenen Definition dessen, was Fluxus ist, war oder sein wird. Und die sich mittlerweile abzeichnende endgültige Vereinnahmung von Fluxus durch Kunstgeschichte und Kunstmarkt kommt einem leicht vor wie die Suche nach einem Unauffindbaren per Steckbrief "Wanted: Fluxus - dead or alive".


Sprache: Deutsch