Eikon #100

Eikon (Hg.)
Special Issue
Die Hundert erreicht man nicht so schnell, vor allem nicht als vierteljährlich erscheinendes Fachperiodikum, das, im Eigenverlag herausgegeben, nie als kommerziell erfolgreiches Massenblatt, sondern als hochwertiges Printprodukt für Fotografie- und Medientheorieinteressierte konzipiert war.
Passend dazu auch die Diskussion um das Erscheinungsbild von EIKON Anfang der 1990er Jahre: Letztlich hat sich das unübliche Querformat durchgesetzt, da man mit dieser aus der Norm fallenden Ausrichtung unter anderem auch physisch „querschießen“ wollte, indem sich die Zeitschrift etwa nicht in die gerne verwendeten Billy-Regale einpassen ließ und stets störend herausragte (so Gründer Carl Aigner). Nach insgesamt 8244 derart gestalteter Magazinseiten ist es darum eine besondere Freude, mit der vorliegenden Ausgabe die erste einer sich hoffentlich noch lang fortsetzenden Serie an dreistelligen Heftnummern präsentieren zu dürfen.
Anlässlich des Eintritts in diese neue Ära wurde unter dem Ehrenschutz von VALIE EXPORT der mit 5.000 Euro dotierte EIKON Award (45+) ins Leben gerufen – ein europaweiter Kunstpreis für Fotografie- und Medienkünstlerinnen ab 45 Jahren, für den 273 Bewerbungen aus 25 verschiedenen Nationen in der Redaktion eingingen. EIKON #100 versammelt nun die von Jürgen Klauke, Margot Pilz und Æsa Sigurjónsdóttir ausgewählten Preisträgerinnen und gibt deren künstlerischer Arbeit innerhalb der Rubrik „Portfolio“ Raum; zugleich wurde das Heft zum Jubiläum als erste Nummer überhaupt mit drei verschiedenen Umschlägen produziert, deren Titelbild jeweils ein Sujet der prämierten Kunstschaffenden – namentlich Susan MacWilliam (der der erste Preis samt Preisgeld zugesprochen wurde), Katrín Elvarsdóttir und Gabriele Rothemann – aufweist. Aufgrund der Qualität der eingereichten Arbeiten besetzt der EIKON Award (45+) darüber hinaus auch den Fokus dieser Ausgabe, für den Jurorin Æsa Sigurjónsdóttir aktuelle Arbeiten von Ramesch Daha, Tatiana Lecomte und Miranda Pennell, die ebenfalls dem Aufruf zur Bewerbung gefolgt sind, unter dem Aspekt ihrer archivarischen Praxis analysiert.
Vor allem angesichts nicht nur hierzulande stattfindender politischer Verschiebungen hoffen wir mit der Ausrichtung des Preises und dieser Jubiläumsausgabe damit ein Stück zur Bewusstseinsbildung beizutragen, da – auch in der Kunst und Kultur – die tatsächliche Gleichstellung von Mann und Frau auch heute noch immer nicht erreicht ist. (Editorial)
 
Sprache: Deutsch/Englisch