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Humming

Martin Walde

Das Kunsthaus Baselland zeigte erstmals 2007 in der Schweiz eine groß angelegte Einzelausstellung des Österreichers Martin Walde, welche durch den dazugehörigen Katalog dokumentiert wird.
„Sleeping Beauty“, erstmals 2003 präsentiert, ist eine skulpturenartige Installation aus Drahtgeflecht mit einem von der Decke hängenden Mobiltelefon, welches sich präsentiert als „Einlösung eines Versprechens, das nie gegeben wurde“. Das Telefon, dessen Nummer über die Einladungskarte, Internet und Mundpropaganda bekannt gemacht wird, könnte jederzeit klingeln und einen Plausch unter Fremden auslösen, die möglicherweise nicht mehr lange Fremde bleiben. Animiert wird das Gespräch durch das Ambiente bestehend aus im Drahtgestrüpp angebrachten „Rosen“ aus Käsewachs, welche bei Berührung entweder sich verändern oder durch die Handwärme sogar zusammenfallen können.
Ebenso wie in „Sleeping Beauty“ schafft Martin Walde auch in seinen neuen Werken Handlungsfelder, die den BesucherInnen offen stehen und je nach kultureller Herkunft und persönlicher Neigung die verschiedensten Prozesse auslösen können. So besteht eine der neuen Arbeiten im Wesentlichen aus einer raumfüllenden Styroporwand, die so platziert ist, dass ein Dahinter spürbar ist. Ein Wasserspender mit Plastikbechern im Vordergrund lädt zum Trinken ein. Einige der leeren Becher sind mit Styroporkügelchen gefüllt, die aus der Wand herausgekratzt wurden. Diese deutlich erkennbaren Spuren manueller Eingriffe auf der Styropor-Oberfläche, appellieren einerseits an die Neugierde der BesucherInnen, andererseits an ihre haptische Wahrnehmung, mehr noch, an eine Art Zwangshandlung: Kennen wir nicht alle den fast unstillbaren Drang, gewisse Materialien zu berühren, sie zu quetschen, sie herauszulösen und in ihre Einzelbestandteile zu zerlegen? Möglicherweise „puhlen“ die BesucherInnen im Verlauf der Ausstellungsdauer ein Loch in die Wand und legen den dahinter liegenden Raum frei.
Eine weitere Arbeit erstreckt sich über die Bodenfläche; sie besteht zur einen Hälfte aus weissem -, zur anderen aus schwarzem Sand. Verschiedene Gefässe ermöglichen ein zen-artiges Zeichnen, das jedoch ebenso rasch in aggressive Zerstörungsszenarien kippen könnte.Eine andere neue Arbeit ähnelt einer grossformatigen Spinnenstruktur, deren Körper von den BesucherInnen mit verschiedensten Garnen, Fäden und Zwirnen zusammen verwoben werden kann. Erst am Ende der Ausstellung ist auch der Produktionsprozess beendet. Über Form- und Farbgestaltung entscheiden letztlich die BesucherInnen.In einer nächsten Arbeit greift Walde auf eines seiner älteren Werke, „The Key“, zurück. Anders als in der usprünglichen Version, ist in der aktuellen jedoch kein Raum zugänglich, in dem sich die Besucher einschliessen können, sondern es liegt eine grosse Anzahl von Schlüsseln am Boden verstreut vor einer verschlossenen Tür. Dahinter ist das Miauen einer Katze ist zu hören. Sämtliche Versuche des Publikums, die vermeintlich eingeschlossene Katze zu befreien, schlagen jedoch fehl, da keiner der Schlüssel ins Türschloss passen wird.Martin Walde initiiert Wechselwirkungen zwischen Werk und BetrachterInnen, die unter dem Begriff „performative Interaktionen“ zusammengefasst werden können. Es gibt keine vorgegebenen Regeln oder Anleitungen. Bereits die vom Künstler gesetzten Werkstrukturen, welche die inhärenten Möglichkeiten der verwendeten Materialien und Dinge nutzen, stossen an Grenzen herkömmlicher institutioneller Praktiken und Rezeptionsmuster. Er lädt die Dinge sozusagen „mit Optionalität auf“ (Martin Walde).„Der Formbegriff ist bei Walde niemals statisch, sondern wird als Grenzphänomen und unter Einbeziehung unterschiedlichster konkreter (institutioneller, imaginärer, emotionaler) Randbedingungen befragt, erprobt, vorgeführt, zur Disposition gestellt. (…) Die Arbeiten initiieren ein spezifisches formalisiertes, durchaus offenes ‚Gespräch’ mit dem Publikum und unterlaufen auf originelle, oft auch raffinierte Art die eingefleischte Kunstgewohnheit des bloss passiven Betrachtens.“ (Jens Asthoff)