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Draw #12

Nora Schattauer (Hg.)
Nadine Fecht
Zeichnen ist, wenn Denken bewusst oder unbewusst eine Spur
hinterlässt!

"der Reihe nach sind die Dinge unsagbar"*

 Wenn ich zeichne, ist es kein Betrachten einer Sache, die ich

abbilden möchte. Es ist mehr ein hinein- oder durchschauen. Die
Basis ist die Beobachtung von gesellschaftlich Gegebenem, worin ich
evidente oder versteckte Strukturen versuche zu verstehen.
Die genaue Beobachtung eines Phänomens, eines Geschehens oder einer
Situation ist bereits geschehen und hat sich über eine Weile
hinweg als Sediment von Erfahrung in mir abgelegt. Das Zeichnen
selbst ist dann ein "abtasten", fast wie im Dunkeln. Als würde ich
den Body einer Fotokamera von innen abtasten, um alle
Nebengeräusche und Rauschen herunterdimmen zu können, und mich
gänzlich der Struktur verschreiben zu können.
 
Das was ich zeichne, taucht dann auf, oder es ist im Begriff schon
wieder zu verschwinden. Beides sind Zustände, die in ihrer
Bewegung, im Werden, nicht genau festzuhalten sind; für die ich
dennoch versuche, eine Sichtbarkeit und Form zu finden. Daher hat
meine Zeichnung etwas mit Durchlässigkeit und der Instabilität von
Zuständen zu tun.
 
Der Anfang des Zeichnens ist stets vorsprachlich. nicht genau
benennbar und absichtslos. irgendwann zeigt sich dann das durch die
Beobachtung Verstandene fast wie von selbst und taucht auf. Dann
muss ich es nur noch erkennen. (wach sein)
 
* Jorge Semprun
 
Sprache: Deutsch