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Camera Austria International 118

Maren Lübbke-Tidow (Hg.)

»Eine erste Voraussetzung zur Klärung, wie sich der Romancier auf Fotografie bezog, liegt darin, dass beide Medien – Fotografie und Roman – sich dem Vergessen der Vergangenheit widersetzen. Es war die Fotografie, die die subjektive Subtilität des Erinnerns in die Mechanik technisch-industrieller Prozesse übertrug. Ein weiteres großartiges Analogieverhältnis verbindet Fotografie/Literatur: Beide bemühen sich um größte Präzision. Dabei sind sie als Medien nicht identisch.«

Was Gislind Nabakowski in ihrer Kritik »Was wir ohne die Bücher (vielleicht) nicht gesehen hätten …« zu drei neueren Publikationen über das intermediale Verhältnis von Literatur und Fotografie schreibt (siehe S. 91f. in dieser Ausgabe), führt in das Leitmotiv »Fotografie_Text« der vorliegenden Ausgabe ein und ergänzt somit auf kongeniale Weise unsere Auseinandersetzung mit vier KünstlerInnen, die wir Ihnen hier in monographischen Beiträgen vorstellen.

Die thematische Rahmensetzung »Fotografie_Text« folgt der Beobachtung, dass gegenwärtig zeitgenössische FotokünstlerInnen wieder vermehrt mit dem In-Eins-Fallen von Text- und Bildmedien arbeiten. Diesem Phänomen schenkt bspw. gegenwärtig das MoMA, New York, mit seiner Ausstellung »Ecstatic Alphabets/Heaps of Languages« Aufmerksamkeit, in dem aktuelle Positionen mit den historischen literarischen und künstlerischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts, in denen Sprache als Material aufgefasst wurde, gegengelesen werden. Formen der Überblendung – das Verbildlichen von Schreibformen mit dem Medium Fotografie – stehen im Zentrum der künstlerischen Arbeiten unter anderem von Erica Baum, Natalie Czech und Shannon Ebner: Einen zentralen Bezugspunkt bildet dabei das Genre der Konkreten Poesie, Insignie des Zerfalls der klassischen Schreibformen, das a priori einer visuellen linguistischen Konstellation zuarbeitet, einer Bildwerdung von Schrift.
 
Sprache: Deutsch/English