Fremde im Inneren - Neugierde und Gewalt 1


Bildpunkt - Zeitschrift der IG Bildende Kunst Frühling 2016 Nr. 38
Exotisierung und Othering hören niemals auf. Die Kunstwelt kann verschiedene Lieder davon singen, vor allem zwei – daher diese Doppelnummer:

Zum einen ist es der/ die/ das Fremde, die zu Kategorisierungsleistungen in hiesigen Diskussionen, Ausstellungen und Museen reizt, die doch oft ein Außenstehendes produzieren, selbst wo sie sich um Inklusion bemühen. Alle Dekolonisierungsversuche ethnologischer Museen stehen vor diesem Problem, selbst noch "Feministische Avantgarden" (Hamburger Kunsthalle, 2015) hängen im zentralen Dilemma aller Idenitätspolitik, sich auf die Kategorie berufen zu müssen, auf der die Diskriminierung fußt. Zum anderen sind es die Anderen am anderen Ort, die zu Projektionen dienen und verwertet werden, selbst noch in solidarischer Absicht. Auch hier gehen Sichtbarmachen und Verstehenwollen traditionell Hand in Hand, aber ohne die Thematisierung von Machtverhältnissen läuft eben doch alles schief (etwa Kunstvermittlung á la "Am Sonntag in die Südsee: Familientag zur Ausstellung 'Paul Gauguin'", Fondation Beyeler, Bern 2015). 
Diese Doppelnummer des Bildpunkt geht vom Kunstfeld aus, lässt aber die Soziologie der Fremdheit, die postkoloniale Theorie des Othering und die  Geschichte der inter-/transnationalen Solidarität keinesfalls Außen vor.

Sprache: Deutsch