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Ohne Funktion

Tillmann Terbuyken

Tillmann Terbuykens künstlerische Imagination lässt sich nicht einfach irgendeiner Richtung zuschlagen.

"Ohne Funktion suspendiert jede Eindeutigkeit, die Form, Farbe und Material vorweg eine geregelte Position zuweist. Seine Objekte öffnen eher den Raum für Fragen nach ihrer wechselseitigen Einwirkung aufeinander. Dabei zeigt sich, dass seine Artefakte jegliche formale Glätte, welche den Dingen die Zwangsjacke einer strikten Geometrie überzöge, entbehren – sei es bei seinen Skulpturen, Raument­würfen, Möbeln oder Bildobjekten. Terbuyken ist jedoch kein Bricoleur. Mit Ausnahme der Decollagen, auf Fundstücken von Plakatabrissen basierend, gibt es kaum vorgefundene Dinge, der Künstler erarbeitet alles selbst. Seine plastischen Objekte – und es sind alles Objekte, auch die Bilder – haben fast alle eine Beziehung zur Malerei. Es sind meist farbig monochrom behandelte Flächen; manchmal wird die Tönung der Leinwand belassen oder Papier und Flugseide eingesetzt. Die sorglos oder nachlässig aufgezogenen Stoffe verhelfen diesen zu ihrem physischen Eigenrecht, ebenso wie selbst gebaute Rahmen oder aus Sperrholz gezimmerte Objekte.

Alle Stoffe, um den abstrakteren Begriff »Material« in diesem Kontext zu vermeiden, werden so zu gleichwertigen Mitspielern im labilen Gleichgewicht von Form und Farbe. Sie dämpfen die dynamische Tendenz der Farbe zur Grenzenlosigkeit und ebenso die Tendenz von Formgrenzen zur Distanzbildung. Die vergleichsweise Unordentlichkeit, die den Formen auf diese Weise zugemutet wird, mag manchem Betrachter, gewöhnt an makellose Geometrie und Oberflächen von zeitgenössischem Design etwa, Alb­träume bescheren. Was derartige Makellosigkeit jedoch betreibt, ist eine Austreibung des Zeitmoments aus repräsentativen Formen, die ewige Dauer mit vorzeitiger Erstarrung erzwingen will."

(Ursula Panhans-Bühler)