Nanjing Video-Portraits 1-5, 2008

 

         

 

Bernhard Cellas Installation "Video-Portrait" entstand in der Auseinanderseztung mit chinesischen
 Künstlerinnen und Künstlern. Den Begriff des "Videos", dessen lateinische Grundbedeutung lediglich "ich sehe" meint, interpretiert Cella dabei so direkt wie möglich, indem er den Sichtungsvorgang zeichnender
Künstler selbst wieder in den Rang eines Inhalts erhebt.

 Was als Experiment in Nanjing, China, entstand, abstrahiert sich im Ausstellungskontext 
durch den Betrachter zu einem lebendigen und intensiven, teils auch unheimlichen Spielfeld
des gegenseitigen Blickens und Erblicktwerdens.

 Im taxierenden Blick auf den Anderen manifestiert sich die subtilste und menschheitsgeschichtlich 
älteste Form einer actio-in-distans, wo Blicken zugemutet wird, dass sie zielen, treffen, ja töten 
können. Doch nicht jeder abschätzende Blick muss per se ein abschätziger sein, nicht jedes in sich
 ruhende Anschauen muss es mit dem Objekt, das im Fokus gehalten wird, deshalb schon übel meinen.

Die zugleich wortlose und gedankenvolle Auseinandersetzung mit der so genannten "eigenen Sicht",
einer als Bild und Blick imaginierten Haltung zu sich und "dem Anderen", wird in Bewegung gesetzt. Doch wer
macht den Anfang?  Zeitgenössische Individuen, Künstlerinnen und Künstler, Chinesen? Die Antworten
auf solche Fragen scheinen so wenig vorgegeben zu sein wie die Sicht auf unser Selbstbild stehen,
ruhen oder tanzen mag. Andreas L.Findeisen

 

 

 

Portrait 1, HDV, 2008