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Alles Meins - Sammlung Boehme

Max Boehme
VZ
Einer der tausend Sammlerfreuden, wenn Künstler sammeln: „Geschenke tausche, häufig besuche sein Haus.“ (aus Havamal, einer der alten Spruchdichtungen der skandinavischen Edda) Wenn Künstler sammeln, bewahren sie Freundschaft dem Freunde, vergelten Gabe mit Gabe, Kunstwerk schielt stets nach Kunstwerk. Man sieht, worum es geht. Unter Künstlern findet Austausch in Form von Geschenken statt, die theoretisch freiwillig sind, in Wirklichkeit jedoch immer gegeben und erwidert werden müssen. Ihnen gleichzeitig der Charakter der gegenseitigen Verherrlichung eigen.

Alles Mainz

Max Boehme: Homo Collector

Max Boehme gibt mir ein Bild, ich gebe ihm ungefähr fünfzehn Bierdeckel dafür, weil ich durch seine Gabe dazu getrieben werde, ich bin gezwungen, ihm die ungefähr fünfzehn Bierdeckel zu geben, weil ich sonst gezwungen wäre, ihm sein Bild zurückzugeben. Gleichzeitig hat er nicht die Freiheit, meine fünfzehn Bierdeckel nicht anzunehmen. Er darf meine obligatorische Gabe nicht abschlagen. Darf er aber darum bitten, mich daran zu hindern? Nein, darf er nicht. Wenn es ihm aber gelingt, mich zum Lachen zu bringen, darf er von mir verlangen, was er will. „Alles Mainz“ sagt Max Boehme dann. Das gehört einfach zu den Regeln der Großzügigkeit unter Künstlern. Währenddessen werden die ganze Zeit über zusätzliche Geschenke gemacht, die meistens pünktlich erwidert werden. Dazu gehören die Schüsseln, das Haus, der Hund und das Boot. Das man ein Kunstwerk ein Präsent nennt und das man statt „geben“ auch sagen kann „präsent machen“, oder die Kunstwerke, die man im Laufe der Jahre geschenkt bekommen hat, schließlich unter dem Titel „Alles meins“ in einer Galerie „präsentiert“, ist kein Sonderfall sondern ein Glücksfall. Angesichts dieser Ausstellung, bzw. dieser Sammlung der „Sammlung Boehme“. „... denkt man an das (Karten-) Geben ..., an die Frage „wer gibt“, an den Imperativ „gib“. (Jacques Derrida, Wilhelm Fink Verlag, München, 1993, S35) „Zu einem Ei legt die Henne immer noch ein andres, viele Körnchen geben zuletzt auch einen Haufen, und solange man etwas gewinnt, verliert man nichts.“ (Miguel de Cervantes Saavedra, Don Quixote, Insel, Frankfurt/Main, 1975, S. 733.) So können wir uns freue, das das, was Max Boehme „Die Sammlung Boehme“ nennt, in den nächsten Jahren größer und größer werden wird. Max Boehme verdankt fast jedes Stück dem Tauschverkehr mit Künstlern, man weiß, das darin das unaussprechliche Glück dieses Sammlers besteht. Wir brechen angesichts dieser prachtvollen Sammlung in Begeisterung aus, und Max Boehme erfährt die ganze Anerkennung, auf die er Anspruch erheben kann. Die Sammlerwut ist in Niedernondorf zur Tollheit geworden. Wir schauen an, nehmen teil, hören zu. Worauf ist dieser Sammler aus, und worum geht es ihm eigentlich? Wenn ein Sammler seine Objekte vorführt, ist das in der Regel ein wesentlicher Bestandteil seiner Selbstdarstellung. „Sie haben schließlich eine Seele, oder?“ äußerte Max Boehme einmal.

Julius Deutschbauer