Foto: Atelieransicht, Salon für Kunstbuch 2007 und 2011 Mondscheingasse 11, A-1070 Wien



Bernhard Cella interessiert sich für die ökonomischen und skulpturalen Rahmenbedingungen, innerhalb derer sich Künstlerbücher – quasi selbst hochinformierte Objekte – als künstlerisches Material verwenden lassen. Dafür konzipierte er in seinem Atelier den »Salon für Kunstbuch«, das  ‚Modell einer Buchhandlung im Maßstab 1:1’. In dieser Versuchsanordnung haben sich mittlerweile 9.000 Künstlerbücher angesammelt, die von Cella ständig neu arrangiert werden. Dort treten sie in ungewohnte Nachbarschaften und materielle Dialoge ein, An- und Verkauf werden Teil einer eigenständigen künstlerischen Praxis. Das Installative, die Mehrfachfunktion des Salons als Display, Architektur und räumliche Intervention ermöglicht eine Verschiebung und Verdichtung verschiedenster Fragestellungen, die durch die (An)Sammlung von Büchern verstärkt werden.

Gleichzeitig funktioniert die Raumkonzeption als Skulptur, in der Menschen zum Diskurs zusammenkommen und herrschende Organisationsformen erprobt werden. Durch das Verweben verschiedener Felder künstlerischer Arbeit bricht die Differenz von Lebens- und Kunstraum zusammen, der Kunst wird kein gesonderter Raum mehr zugeordnet, die Grenzen von Innen und Außen verschwimmen, Distanzen werden eingerissen. „Cella schreibt sich als Künstler in ein ökonomisches Terrain ein, er inszeniert Dienstleistung und Unternehmertum als Grundlagen seiner eigenen künstlerischen Praxis.“ (E. Steinbrügge)

 

Studies in fine art and stage design at the Academy of Fine Arts Vienna, University of Fine Arts Hamburg and University of Art and Design Linz.

Bernhard Cella is interested in the economic and sculptural framework in which artist's books – highly informed objects in themselves – can be used as an artistic material. To this end, he conceptualized the "Salon für Kunstbuch", a life-sized model of a bookshop, in his studio. Since then, about 9.000 artist's books have accumulated in this experimental arrangement, they are constantly rearranged by Cella. The books enter into unfamiliar vicinities and dialogues, buying and selling become part of an original artistic practice. The principle of installation, the plurality of functions of the Salon as a display, an architectural structure and a spatial intervention allow for the development, shifting and concentration of different lines of questioning that are emphasized by the collection of books.

At the same time, the spatial conception acts as a sculpture that hosts people meeting for discourse and serves as a space to sample different forms of organization. Through the interweaving of different fields of artistic practice, differences between the spaces of life and art collapse, art is no longer allocated to a distinct zone, the borders between inside and outside fluctuate, distances are torn down. „Cella inscribes himself as an artist into the economic sphere, he re-stages service and entrepreneurship as foundations of his own artistic practice." (E. Steinbrügge)

 

 

Zwischen Alten und Neuen Medien - Die Kunst der langsamen Konstellation
Seit der Durchsetzung des Buchs als Massenmedium im 17. Jahrhundert hat es eine tragende Rolle in der Durchsetzung gesellschaftlichen Fortschritts (Humanismus,  Reformation,  Aufklärung usf.) gespielt. Aktuell wird einem anderen Medium, dem Internet, von Medientheoretikern eine vergleichbar revolutionäre Rolle für die gesellschaftliche Entwicklung der Gegenwart zugesprochen.
Der Salon für Kunstbuch wurde von Bernhard Cella bewusst als ein Ort mit paralleler Webplattform konzipiert, an dem sich für die BesucherInnen eine je eigene Verbindung zwischen alten und neuen Medien, analog und digital, zwischen intersubjektivem Austausch und öffentlichem Raum ergibt.
Doch gerade in der bildenden Kunst besteht eine intensive Skepsis gegenüber „Neuen Medien“ als nachhaltiger Dokumentationsform. Das anwachsende Sortiment im Salon zeugt von der Tatsache, dass es auch weiterhin die Buchform ist, die einer Person und ihrem künstlerischen Werk eine dauerhafte Präsenz im kulturellen Gedächtnis gewährleistet.

Bewusste Fortführung der Salontradition in einem Kunstprojekt
Der historische Befund zur Salonkultur ist reichhaltig (vgl. u.a. J. Habermas, Strukturwandel der Öffentlichkeit, 1962),  ein Salon kann ein Gesellschafts- oder Wohnzimmer, ein Ausstellungs- oder Geschäftsraum sein, in dem „gesellige Zirkel kultureller Natur“ abgehalten werden.
Cella nimmt diese Vielseitigkeit auf und fügt ihr spielerisch die Merkmale des “Ateliers” und “Bühnenbildes” hinzu. Seinen Salon bezeichnet er als “Modell einer Buchhandlung im Maßstab 1:1”.

Der Salon als nicht profitorientiertes Projekt – Das Kunstbuch steht im Zentrum
Der Betreiber wie alle bisher daran Beteiligten haben sich unentgeltlich am Veranstaltungsprogramm wie am Aufbau der Sammlung beteiligt. In Verbindung mit Cellas minimalistischen Setzungen in Fragen der künstlerischen Gestaltung resultiert ein eigener Charme, weder wirkt der Ort privat, noch verkaufsorientiert, noch museal. Es sind die Kunstbücher selbst, deren Präsentation die Hauptrolle spielen, die BesucherInnen bewegen sich von einem zum anderen und setzen sich mit ihnen auseinander, am ehesten noch vergleichbar der Begegnung mit Kunstwerken in Galerien oder Museen.

Über eine Form vermitteln sich viele Inhalte – Eine anregende Diversität spiegelt sich im Publikum 
Der Salon versammelt Kunst- und Künstlerbücher. Deshalb kommen AutorInnen aller künstlerischen Disziplinen zu Wort, alle teilen das Bedürfnis zur Publikation im analogen Medium des Buchs. Die Interessenten an dieser Sammlung kommen etwa aus Graphik, Design, angewandter Kunst und Architektur; Musik, Philosophie und Kunsttheorie, Theater- und Politikwissenschaften.
Teils sind sie auch einfach Literaturinteressierte (eher ältere Generation), oder experimentelle Geister, die selbst publizieren und Inspiration suchen (junge bis ganz junge Generation).
Der Salon versammelt Beispiele aus aller Welt und vermittelt dadurch aktuelle Vorbilder und Ideen.  Jede und Jeder findet im Salon eine Vielzahl von Antworten auf Fragen wie: Welche Themen sind gerade aktuell? Welche Gestaltungsideen tauchen wo auf? Wie publiziert Frau oder Mann gerade in Frankreich, Italien oder  Mexiko?

Der Salon als Inkubator - Kulturell nachhaltige Strukturen entstehen aus einem Kunstprojekt
In Cellas Arbeit spiegeln sich seine Studien (u.a. Bühnenbild und Konzeptkunst) ebenso wie Improvisationsgabe, Verhandlungsgeschick, eine unstillbare Neugier und sozialer Anspruch.

* Standorte: Basisbestand in der Mondscheingasse; Belvedere / 21er Haus, dort mit einem Fokus on Austria, eine Übersicht über alle aktuellen österreichischen Kunstpublikationen seit 2011
* Sammlung: derzeit über 10.000 KünstlerInnenbüchern und Kunstbücher; etwa die Hälfte davon ist zu erwerben
* Ausbildung und akademische Kooperation: Seit 2011 haben mehr als 25 Studierende (50% österreichisch, 50% europäisch) ein Praktikum von mind. drei Monaten im Salon absolviert; Exkursionen von zahlreiche Klassen an Kunstuniversitäten (bisher aus Österreich, Deutschland, Schweiz, England)
* Weltweite Community: Seit dem Jahr 2007 ist die Anzahl der aktiven Newsletter-Rezipienten auf über 14.000 angewachsen; seit dem Jahr 2009 Empfehlungen in mehreren Reiseführern als kultureller “GoTo-Place” in Wien (NYTimes-Weekend, Wallpaper Wien, City Walk London u.a.); Anstieg der intern. Gäste
* Webarchiv: alle Bücher mit Bild und Texten recherchierbar, Online-Bestellung möglich, bisherige Verkäufe würden nur ca. 2% der Betriebskosten decken.
 * Veranstaltungsprogramm: bisher 68 Buchpräsentationen, 16 Ausstellungen, 18 Performances; zwei künstlerische Vereinigungen haben durch den Salon/21er Haus Zugang zu einer landesweiten Sichtbarkeit für ihre Jubiläumsfeiern bekommen (s.u. Aufstellung)
* BesucherInnen (an beiden Standorten): 8.200 bis 9.000 im Kalenderjahr 
* Verteilung Inland / Ausland -  BesucherInnen: 50% regional, 15% national, 35% international; Events: 50% regional, 10% national, 40 % international.; Newsletter: 40% regional/national, 60% international

Auf dem Weg zum Alleinstellungsmerkmal in Europa
Mit seinen mehr als 10.000 verfügbaren Exemplaren (Stand September 2015) findet sich derzeit im europäischen Raum kein dem Salon vergleichbares Projekt. Verwandt in Fragen des öffentlichem Zugangs und der Sammlungsintention sind: 
* CNEAI Paris (v.a. historischer Fokus, sammelt auch Editionen u. Objekte)
* Studienzentrum f. Künstlerpublikationen Weserburg (Werkinteresse ab 1960ern; nicht nur Bücher)

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Eigentümer und Herausgeber: Bernhard Cella    

info@salon-fuer-kunstbuch.at

Mondscheingasse 11
A- 1070 Wien, Austria

Di: 14.00-18.00 Uhr
Mi-Fr: 14.00-19.00 Uhr

tel.: +43 (0) 660 445 7116                                                                                                                                                           

Unternehmensgegenstand: Kunst

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